Unsere Klimaschutzstrategie steht in direktem Zusammenhang mit unserer doppelten Wesentlichkeitsanalyse und fußt auf unserer Szenarioanalyse. Im Kern der Klimaschutzstrategie steht der „Transitions- und Transformationsplan“, der erstmalig im Jahr 2024 veröffentlicht wurde und eine Aktualisierung unseres Klimaprogramms aus dem Jahr 2020 darstellt. Ziel dieses Plans ist es, unsere Klimaschutzbemühungen voranzutreiben und sicherzustellen, dass unsere Strategie und unser Geschäftsmodell im Einklang stehen mit dem Ziel einer nachhaltigen Wirtschaft sowie der Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 °C im Vergleich zum vorindustriellen Stand, gemäß dem Pariser Klimaschutzabkommen.
Übergangsplan für den Klimaschutz: Unser „Transitions- und Transformationsplan“ [E1-1]
Unsere Klimastrategie besteht aus zwei Themenkomplexen: die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen (Mitigation des Klimawandels) und die Anpassung an den Klimawandel, wobei die Anpassung an den Klimawandel auch den Zugang zu unseren Produkten und Dienstleistungen als Teil der Lösung einschließt. Beide Themenkomplexe finden Eingang in unsere Strategien zur Transition und zur Transformation.
Transition: Zur Mitigation des Klimawandels verfolgen wir das Ziel, bis 2050 Netto-Null-Treibhausgas-Emissionen (Netto-Null-Ziel) einschließlich der gesamten Wertschöpfungskette zu erreichen1. Dies bedeutet eine Reduzierung der absoluten Treibhausgas-Emissionen von Scope 1, 2 und 32 um 90 % im Vergleich zum Basisjahr 20193. Die verbleibenden Treibhausgas-Emissionen (10 %) sollen durch langfristige Emissionsgutschriften ausgeglichen werden4. In unserem „Transitions- und Transformationsplan“ beschreiben wir Reduktionshebel, den Umgang mit Klimaschutzzertifikaten, die Zusammenarbeit mit Interessengruppen sowie die Resilienz unserer Wertschöpfungskette.
Transformation: Die Transformation umfasst die Marktpotenziale, die wir in den Bereichen Gesundheit und Landwirtschaft durch die Anpassung an den Klimawandel sowie durch den Zugang zu unseren Produkten und Dienstleistungen und eine sozial gerechte Transition sehen. Gleichzeitig streben wir an, die globalen Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft langfristig durch das Angebot innovativer Lösungen zu reduzieren.
Mit unserem „Transitions- und Transformationsplan“ unterstützen wir das Pariser Klimaschutzabkommen und das Ziel, die globale Erderwärmung auf 1,5 °C im Vergleich zum vorindustriellen Stand zu begrenzen.
Unsere Klimastrategie ist in unserer Geschäftsstrategie verankert. Die Verantwortung für das Thema Klimaschutz liegt beim Vorstandsvorsitzenden in seiner Funktion als Chief Sustainability Officer (CSO). Bezüglich der Transformation unserer Geschäftsfelder und der Wertschöpfung aus den sich ändernden Bedingungen liegt die Verantwortung bei den Vorständen der einzelnen Divisionen. Die Erreichung unserer Konzernziele zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen ist Teil der langfristigen Vergütung des Vorstands und der Führungskräfte von Bayer. Das vergütungsrelevante Ziel basiert auf dem notwendigen Beitrag von Bayer zu einem von der Science-Based-Targets-initiative (SBTi) validierten 1,5 °C-Szenario. Aufgrund der SBTi-Revalidierung im Jahr 2024 sowie der Implementierung von neuen Emissionsfaktoren hat sich die Berechnung der Scope-3-Treibhausgas-Emissionen in einigen Kategorien geändert. In diesem Zusammenhang erhöhte sich die Anzahl der zielrelevanten Scope-3-Kategorien von fünf auf 15. Weitere Informationen hierzu finden Sie im Kapitel A 4.2.2 Klimawandel, Abschnitt „Treibhausgas-Emissionen der Kategorien Scope 1, 2 und 3 sowie gesamte Treibhausgas-Emissionen [E1-6]“. Die Berechnung der langfristigen Vergütung basiert weiterhin auf den ursprünglichen fünf Scope-3-Kategorien sowie den ursprünglichen Berechnungen und Datenquellen für Emissionsfaktoren. Dies führt dazu, dass die Treibhausgas-Emissionen für einige Scope-3-Kategorien in dieser Berichterstattung von denen in der langfristigen Vergütung abweichen.
Festlegung und Umsetzung unserer Strategie sowie damit verbundene Aktivitäten werden vom ESG-Ausschuss des Aufsichtsrats überwacht. Zusätzlich berät der unabhängige externe Nachhaltigkeitsrat das Unternehmen zu allen Nachhaltigkeitsthemen – dazu zählt auch der Schutz des Klimas. Der Vorstand wird von der Enabling Function Public Affairs, Sustainability & Safety in Zusammenarbeit mit den Nachhaltigkeits- und Fachabteilungen der Divisionen unterstützt. Die operative Umsetzung der Maßnahmen erfolgt durch die Divisionen an ihren Standorten, in den Forschungsabteilungen, in den Strategieabteilungen und mit Unterstützung der Enabling Functions. Wir haben konzernweite Arbeitsgruppen zur strategischen und operativen Umsetzung des Klimaschutzes sowie eine spezielle Arbeitsgruppe zur Analyse verschiedener Klimaszenarien und deren Auswirkungen auf unser Geschäft gebildet. Der „Transitions- und Transformationsplan“ wurde vom Vorstandsvorsitzenden und dem ESG-Ausschuss des Aufsichtsrats bestätigt.
Bei der Erarbeitung des „Transitions- und Transformationsplans“ haben wir die Anforderungen der „Transition Plan Taskforce“ und des CDP genutzt.
Transition: Reduktion von Treibhausgas-Emissionen
Ein Kernelement unseres „Transitions- und Transformationsplans“ ist die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen im Vergleich zum Basisjahr 2019. Zwischen 2019 und 2025 haben wir bereits die Summe der direkten Treibhausgas-Emissionen (Scope 1) und der indirekten Treibhausgas-Emissionen (Scope 2, marktbezogen) durch unsere Standorte, deren jährlicher Energieverbrauch über 1,5 Terajoule liegt und/oder deren jährliche Wasserentnahme ≥ 50 Tm3 beträgt, um 25,9 % reduziert.
Im Folgenden sind die wesentlichen Hebel aufgeführt, die wir zur weiteren Reduktion der Summe der direkten Emissionen (Scope 1) und der indirekten Emissionen (Scope 2, marktbezogen) im Zeitraum zwischen 2026 bis 2029 identifiziert haben:
Durch Umstellung auf Strom aus erneuerbaren Energien erwarten wir einen Beitrag zur Reduktion der Summe der Scope-1- und Scope-2-Treibhausgas-Emissionen um weitere 12 Prozentpunkte bis 2029 (im Vergleich zum Basisjahr 2019).
Durch Optimierungen der Energieeffizienz, der Produktionsprozesse und durch Elektrifizierungen erwarten wir einen weiteren Beitrag zur Reduktion der Summe der Scope-1- und Scope-2-Treibhausgas-Emissionen um 2 Prozentpunkte bis 2029 (im Vergleich zum Basisjahr 2019).
Durch Dekarbonisierung der eingekauften indirekten Energieträger (Wärme, Kälte) erwarten wir einen weiteren Beitrag zur Reduktion der Summe der Scope-1- und Scope-2-Treibhausgas-Emissionen um 2 Prozentpunkte bis 2029 (im Vergleich zum Basisjahr 2019).
Bis 2030 wollen wir unsere Fahrzeugflotte überall dort, wo es technisch und wirtschaftlich machbar ist, auf Elektroautos umstellen. Wir erwarten einen Beitrag zur Reduktion der Summe der Scope-1- und Scope-2-Treibhausgas-Emissionen um 1 Prozentpunkt bis 2029 (im Vergleich zum Basisjahr 2019).
Zwischen 2019 und 2025 konnten wir die Menge an Treibhausgas-Emissionen in der Wertschöpfungskette (Scope 3) um 12,0 % reduzieren. Nachfolgend sind die wesentlichen Hebel aufgeführt, die wir zur weiteren Reduktion der Emissionen in der Wertschöpfungskette im Zeitraum zwischen 2026 bis 2029 identifiziert haben:
Wir planen, in Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten die Scope-3-Treibhausgas-Emissionen um bis zu 9,3 Prozentpunkte bis 2029 zu reduzieren (im Vergleich zum Basisjahr 2019).
Zusätzliche Reduktionen der Emissionen von 3,5 Prozentpunkten erwarten wir bis Ende 2029 (im Vergleich zum Basisjahr 2019) durch die Elektrifizierung sowohl in den vor- als auch nachgelagerten Lieferketten, Geschäftsreisen und durch Änderungen in der Energieversorgung (Scope 3.3), bspw. durch eine Umstellung auf erneuerbare Energien.
Für das Erreichen der Netto-Null-Treibhausgas-Emissionen bis 2050 werden zusätzlich neue Technologien einschließlich CO2-Abscheidung und -Speicherung (Carbon Capture and Storage, CCS) sowohl für unsere Standorte als auch entlang unserer Wertschöpfungskette notwendig sein.
Um eine Reduktion der Summe der Scope-1- und Scope-2-Treibhausgas-Emissionen bis 2029 zu erreichen, werden auch zukünftig Investitionen in unsere Gebäude, Anlagen oder Prozesse an den Standorten notwendig sein. Durch modernere und energieeffizientere Gebäude, Anlagen und Prozesse können Scope-1-Treibhausgas-Emissionen aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern und Scope-2-Treibhausgas-Emissionen aus der Nutzung von sekundären Energieträgern reduziert werden. Die dafür notwendigen Investitionen fallen z. B. im Rahmen der Renovierung von Gebäuden und des Austauschs von Anlagen oder Produktionsmaschinen an. Zwischen 2019 und 2025 haben wir diverse Projekte dieser Art umgesetzt, die sich in Summe positiv auf unsere Scope-1- oder Scope-2-Treibhausgas-Emissionen ausgewirkt haben. Wir erwarten, dass für die weiteren Reduktionen bis 2029 Investition in unsere Gebäude, Anlagen oder Prozesse an unseren Standorten erforderlich sein werden, wobei die notwendigen Investitionskosten in den kommenden Jahren mindestens 100 Mio. € betragen können. Dieser Betrag ist in den Investitionsbudgets unserer Divisionen eingeplant. Im Jahr 2024 hatten wir die Schätzung veröffentlicht, dass die Investitionen in unsere Anlagen und Gebäude, die nötig sind, um unsere Klimaziele zu erreichen, bis 2029 etwa 200 Mio. € betragen. Aufgrund der veränderten Wirtschaftslage – einer Herausforderung, der sich viele Unternehmen stellen müssen – haben wir unsere Schätzung für die Investitionsausgaben bis 2029 auf mindestens 100 Mio. € anpassen müssen. Gleichzeitig erwarten wir, dass durch die Nutzung von Stromabnahmeverträgen (Power Purchase Agreements, PPA) ein größerer Beitrag zur Reduktion unserer Treibhausgas-Emissionen erzielt werden kann, als wir ursprünglich angenommen hatten. Wir erwarten nicht, dass die Reduzierung der Investitionen in unsere eigenen Standorte die Erreichung unsere Klimaziele gefährdet. Auch wenn die absolute Höhe der Investitionsausgaben reduziert wurde, erwarten wir weiterhin relevante Reduktionen von Treibhausgas-Emissionen durch die bestehenden Projekte (wie z. B. Prozessverbesserungen und Dekarbonisierung indirekter Energieträger für die Kühlung an unserem Standort in Dormagen, ergänzt um zusätzliche Belüftungsverbesserungen). Das Investitionserfordernis zur Erreichung unserer ambitionierten Klimaziele von Netto-Null-Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2050 unterliegt aufgrund des langen Zeitraums noch verschiedenen Unsicherheiten, weshalb wir dazu aktuell keine möglichen Investitionskosten für die Jahre nach 2029 veröffentlichen. Für die Umsetzung unserer kurzfristigen Maßnahmen zur Reduktion der Scope-3-Treibhausgas-Emissionen sind für die kommenden Jahre aktuell keine Investitionskosten geplant, da der Großteil der diesbezüglichen Maßnahmen spezifische Anforderungen an unsere Lieferanten umfasst, z. B. zur Nutzung von erneuerbaren Energien für deren Produktionsprozesse, oder sie beziehen sich auf einen von uns initiierten Wechsel von Lieferanten.
Wir überprüfen die Zukunftsfähigkeit unseres Produkt-Portfolios, unserer Prozesse und Aktivitäten auch in Bezug auf den Klimawandel. Wie andere produzierende Unternehmen auch, haben wir im Rahmen unserer Produktion an den Standorten potenziell gebundene Treibhausgas-Emissionen. Wir gehen aktuell davon aus, dass unsere potenziellen Locked-in-Emissionen die Erreichung unserer Klimaziele 2029 nicht gefährden. Die potenziellen Locked-in-Emissionen bis 2050 überprüfen wir zukünftig.
Für das Geschäftsjahr 2025 konnten wir keine mit der EU-Taxonomie konformen Umsätze, Investitionen oder Betriebsausgaben mit Bezug zum Klima identifizieren. Daher können wir unsere Investitionen und Mittel zur Implementierung des dargelegten Übergangsplans nicht in Bezug zu den taxonomiespezifischen Leistungsindikatoren setzen. Zudem haben wir keine Investitionspläne gemäß der Delegierten Verordnung (EU) 2021/2178 der Kommission offengelegt. Uns liegt für das Geschäftsjahr 2025 keine Information vor, dass wir von den Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten ausgenommen sind.
Zum jetzigen Zeitpunkt befinden wir uns mit den bisher erreichten Reduktionen der Treibhausgas-Emissionen auf dem Zielpfad der SBTi-validierten Dekarbonisierungsziele. Für Scope 1 und Scope 2 konnten wir die Treibhausgas-Emissionen gegenüber unserem Basisjahr 2019 um 25,9 % senken und unsere Scope-3-Treibhausgas-Emissionen um 12,0 %. Um unsere langfristigen Ziele in Bezug auf Netto-Null-Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2050 zu erreichen, sind wir abhängig von der Entwicklung der gesamten Industrie sowie von politischen Rahmenbedingungen.
Extremwetterereignisse oder sich ändernde klimatische Bedingungen können sowohl an vorgelagerten Produktionsstandorten in der Lieferkette, unseren eigenen Standorten als auch in der nachgelagerten Wertschöpfungskette negative Auswirkungen verursachen. Um diese Auswirkungen zu reduzieren und um unsere Lieferfähigkeit aufrechtzuerhalten, berücksichtigen wir dies für relevante Fälle in Business-Continuity-Plänen, schließen Versicherungen ab, investieren in Modernisierungsmaßnahmen oder unternehmen andere Aktivitäten, z. B. in den Einkaufsstrategien. Diese Risiken werden in unserem unternehmensweiten Risikomanagementprozess im Rahmen des Konzernrisikomanagements (ERM) berücksichtigt.
Transformation: Produktinnovationen als Lösung und als Chance
Unsere Geschäftsfelder können ein Teil der Lösung zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels sein. So können wir dazu beitragen, dass sich unsere landwirtschaftlichen Kunden mit unseren Produkten besser an die negativen Auswirkungen des Klimawandels anpassen können. Wir arbeiten in unserer Division Crop Science an einer Vielzahl von Innovationen, insbesondere im Bereich neuer Züchtungen, Biotechnologie, Small Molecules, Biologicals, Digital Farming und Systemen für unser Konzept einer regenerativen Landwirtschaft. Damit wollen wir dazu beitragen, die langfristige Ernährungssicherheit zu gewährleisten, indem wir Landwirten dabei helfen, ihre Erträge zu steigern und gleichzeitig mit unserem Konzept der regenerativen Landwirtschaft einen positiven Einfluss auf die Natur auszuüben. Der Klimawandel hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen. Daher arbeiten wir in den Divisionen Pharmaceuticals und Consumer Health eng mit externen Experten aus verschiedensten Fachbereichen an innovativen Lösungen. Im Fokus unserer diesbezüglichen Forschung und Entwicklung stehen das Herz-Kreislauf-System, Frauengesundheit, die kardio-renale-metabolische Gesundheit, Atemwegserkrankungen, Allergien und Nahrungsergänzungsmittel. Über alle Divisionen hinweg investieren wir über unser „Leaps by Bayer“-Programm in zukunftsfähige Ideen, die auch Herausforderungen aus dem Klimawandel adressieren. Weitere Informationen hierzu finden Sie im Kapitel A 1.3 Innovation im Fokus, Abschnitt „Leaps by Bayer“. Sowohl die Transition als auch die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der wir über Wertschöpfungsketten hinweg gemeinsam mit unseren Stakeholdern arbeiten.
Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen und ihr Zusammenspiel mit Strategie und Geschäftsmodell [E1.SBM-3]
Im Rahmen unserer doppelten Wesentlichkeitsanalyse wurden drei Klimarisiken identifiziert:
Physisches Klimarisiko: Störung der Wertschöpfungskette und Produktionsprozesse aufgrund extremer Wetterereignisse und klimabedingter Naturkatastrophen, die durch den Klimawandel verursacht oder verschärft werden.
Physisches Klimarisiko: Rückgang der Nachfrage und entsprechender Verkaufsverlust für bestimmte Produkte, da das aktuelle Produkt-Portfolio nicht vollständig auf die zukünftigen Anforderungen, die durch die Auswirkungen des Klimawandels festgelegt werden, ausgerichtet ist (z. B. Verschiebung der Anbauregionen für verschiedene Pflanzen, Verschiebung der Anforderungen an Produkte).
Transitorisches Klimarisiko: Investitionsbedarf zur Anpassung der Produktionsprozesse an unsere Reduktionsziele in Abhängigkeit von Regulierungen, Gesetzen oder Verfügbarkeiten, z. B. hinsichtlich der Emission von Treibhausgasen während der Produktionsprozesse (z. B. Emissionshandelssysteme).
Bereits seit einigen Jahren führen wir eine klimabezogene Szenarioanalyse durch, die sowohl transitorische als auch physische Klimarisiken umfasst. Diese Analyse beinhaltet Elemente einer Resilienzanalyse und ermöglicht es uns, den Einfluss, die Risiken und Chancen des Klimawandels auf unser Geschäft aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Bei unserer Analyse fokussieren wir uns auf die Auswirkungen auf unsere Geschäftsaktivitäten, insbesondere in der Landwirtschaft. Dadurch können wir die Erkenntnisse in Bezug auf unser Unternehmen abschätzen und in unsere Geschäftsstrategie, unser Risikomanagement und unsere Maßnahmen integrieren. Die verwendeten Klimaszenarien, die von einem Anstieg sowie einer zunehmenden Intensität extremer Wetterbedingungen und eine Verschiebung von klimatischen Zonen ausgehen, stimmen mit den klimabezogenen Annahmen im Abschluss überein. Dies zeigt sich z. B. darin, dass potenzielle finanzielle Konsequenzen für unsere Standorte, die aus klimabedingten Naturereignissen resultieren, durch entsprechende Versicherungen in industrieüblichem Umfang abgesichert sind. Gleichzeitig verdeutlichen wir unser Verständnis für die nötige Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels exemplarisch durch unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten für Produktinnovationen, welche entsprechend in unserer finanziellen Geschäftsplanung berücksichtigt sind. Wir sehen aktuell keine Einschränkungen für die Fähigkeit zur Umwidmung, Modernisierung oder Stilllegung vorhandener Vermögenswerte, die Verlagerung von Produkt- und Dienstleistungs-Portfolios sowie die Umschulung von Arbeitskräften. Vielmehr sehen wir mögliche Chancen, wenn unsere Produkte und Dienstleistungen als Teil der Klimaanpassungsstrategien unserer Kunden zum Einsatz kommen, z. B. im Saatgut-Bereich.
Im Berichtsjahr haben wir unsere etablierte klimabezogene Szenarioanalyse auf Geschäftsbereichsebene strategisch fortgeführt. Als Teil unserer kontinuierlichen Verbesserung werden wir diese Analyse in den kommenden Jahren gezielt erweitern, insbesondere um die Bewertung der Klimaresilienz unserer Produktionsstandorte.
Bei der klimabezogenen Szenarioanalyse, die auch die Resilienz unserer Geschäftsfelder abdeckt, gehen wir über den Zehn-Jahres-Horizont des ERM sowie den Zeithorizont der doppelten Wesentlichkeitsanalyse hinaus und nutzen die folgenden Zeithorizonte:
Kurzfristig: bis 2027
Mittelfristig: von 2028 bis 2035
Langfristig: von 2036 bis 2050
Unsere Szenarioanalyse, die Elemente einer Resilienzanalyse umfasst, hat zwei Schwerpunkte:
Übergeordnete Chancen- und Risikoerfassung für den Bayer-Konzern und die einzelnen Geschäftsbereiche. Hierbei wurden die vorgelagerte, nachgelagerte und eigene Wertschöpfungskette betrachtet.
In unserer Division Crop Science nutzen wir zusätzlich landwirtschaftliche Klimamodellierungen, basierend auf einem umfassenden Datensatz von Klimawandel-Szenarien, um Forschungs-, Entwicklungs- sowie Produktstrategien zu informieren. Dazu gehören z. B. mögliche Klimaauswirkungen auf Züchtungsprogramme oder die Entwicklung langfristiger Strategien zur regionalen Produktplatzierung, um durch resiliente Agrarsysteme, die an die lokalen Klima- und Bodenbedingungen angepasst sind, eine langfristige, nachhaltige und rentable Bewirtschaftung durch Landwirte zu sichern.
Zur Durchführung der Szenarioanalyse haben wir mit einem funktions- und divisionsübergreifenden Team die möglichen Auswirkungen des Klimawandels anhand von zwei Szenarien ausgewertet. Zuerst wurden die Szenarien beschrieben, die wichtigsten Treiber festgelegt und abschließend Maßnahmen zur Reduktion von Risiken sowie zur Realisierung von Chancen definiert. Als Beispiele sind hier die Umsetzung unserer Netto-Null-Strategie und der Fokus auf unser Konzept einer regenerativen Landwirtschaft zu nennen.
Aufbauend auf dem „Assessment Report 6“ des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und ergänzt um weitere für unsere Geschäftsbereiche relevante Quellen, haben wir unsere Szenarien beschrieben. Grundlagen sind das – in Bezug auf den Klimawandel – optimistische Szenario mit einer Erwärmung von unter 1,5 °C (Green Road, SSP1-1.9), das einem Erreichen der Klimaziele des Pariser Abkommens entspricht (Temperaturanstieg um 1,4 °C bis zum Jahr 2100 im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter), und ein Szenario mit hohen Treibhausgas-Emissionen, das sich an dem aktuellen weltweiten Verhalten orientiert: Rocky Road, SSP3-7.0 (Temperaturanstieg um 3,6 °C).
Green Road (SSP1-1.9)
Im Szenario der Green Road wird davon ausgegangen, dass sich weltweit die durchschnittliche Temperatur zwischen 2041 und 2060 um 1,6 °C im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erhöht. Zwischen 2081 und 2100 wird sich die Temperatur wahrscheinlich um insgesamt 1,4 °C im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erhöhen.
Dieses Szenario ist gekennzeichnet durch die rasche Umsetzung ehrgeiziger und weltweit abgestimmter klimabezogener Gesetze und Vorschriften, die auch kurzfristig Transformationsbedarf sowie neue Regularien für Unternehmen beinhalten können. Die schnelle Reduktion der Treibhausgas-Emissionen führt zu weniger schwerwiegenden wetter- und klimabedingten Auswirkungen.
Rocky Road (SSP3-7.0)
Das Szenario der Rocky Road geht von einer durchschnittlichen weltweiten Temperaturerhöhung aus, die zwischen 2041 und 2060 ungefähr 2,1 °C und zwischen 2081 und 2100 wahrscheinlich 3,6 °C beträgt, im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter.
In diesem Szenario erwarten wir weniger ambitionierte und regional sehr unterschiedlich ambitionierte Gesetze und Vorgaben. Dies führt zu einer verlangsamten Emissionsreduktion und damit verstärkten wetter- und klimabedingten Veränderungen in allen Regionen der Welt. Die unterschiedlichen Ambitionsniveaus führen außerdem zu zusätzlichen Handelsbarrieren, die sich in Mechanismen wie einem Carbon Border Adjustment (CBAM) äußern können.
Wir nutzen beide Szenarien, Green Road SSP1-1.9 und Rocky Road SSP3-7.0, um die Auswirkungen des Klimawandels auf unser Geschäft zu verstehen und Maßnahmen zur Minderung klimabedingter Risiken sowie zur Nutzung von Chancen zu identifizieren. Auf diese Weise bewerten wir auch die Zukunftsfähigkeit unserer Geschäftsbereiche. Im Jahr 2025 haben wir zudem unser eigenes landwirtschaftliches Klimamodell weiterentwickelt, indem wir einen auf dem sogenannten CMIP6 („Coupled Model Intercomparison Project“, CMIP) basierten Ensemble-Datensatz zum Klimawandel erstellt haben. Dadurch sollen Klimarisiken und -chancen zukünftig im Modell besser nutzbar werden.
Die Ergebnisse und strategischen Implikationen der klimabezogenen Szenarioanalyse fließen direkt in unsere Klimastrategie und damit in unseren „Transitions- und Transformationsplan“ ein. Aufbauend auf der Szenariobeschreibung haben wir zehn für uns wesentliche Treiber identifiziert, um die Auswirkungen der transitorischen und physischen Veränderungen für unser Geschäft näher zu analysieren. Die transitorischen Treiber sind regulatorische Vorgaben, CO2-Preise/-Steuern sowie -Grenzausgleich, landwirtschaftliche Innovation und Bewirtschaftungsweisen, Rohstoffpreise, Endverbraucher und Kunden und die Ernährungssicherheit. Bei den physischen Treibern berücksichtigen wir akute extreme Wetterereignisse sowie drei chronische physische, nämlich Wasserkreislauf, Krankheiten und Temperaturänderungen.
Transitorische Treiber: Mit unserer Strategie zur Dekarbonisierung – mit dem Fokus auf die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen entlang eines 1,5 °C-Pfads – reduzieren wir das Risiko zusätzlicher Kosten aus den zu erwartenden Regulierungen. Gleichzeitig sind besonders die Regularien, Innovationen und die Umsetzung in der Landwirtschaft von großer Bedeutung. Die weiteren Auswirkungen regulatorischer Anforderungen analysieren wir kontinuierlich und integrieren diese in unser Geschäft bzw. unsere Planungen. Abhängig von den verschiedenen Szenarien, werden unsere Kunden und Wertschöpfungsketten verschiedene Anforderungen an unsere Produkte stellen. CO2-Preise haben nicht nur einen Einfluss auf die Kostenstruktur unserer Wertschöpfungskette, sondern könnten auch die Nachfrage nach Biomasse oder Biokraftstoffen beeinflussen. Darüber hinaus haben wir die Themen Rohstoffpreise und Lebensmittelsicherheit analysiert; besonders in einem Rocky-Road-Szenario werden hier hohe Unsicherheiten erwartet.
Akute physische Treiber: Im Rahmen der betrachteten Szenarien gehen alle Klimamodelle von einem Anstieg extremer Wetterbedingungen aus (u. a. Dürren, Starkregenereignisse, Sturmereignisse), die auch ein erhöhtes Risiko für Ernteausfälle und damit Risiken für die gesamte landwirtschaftliche Wertschöpfungskette darstellen. Neben den Risiken kann der Klimawandel auch Chancen für unser Geschäft eröffnen. Unser Produkt-Portfolio und unsere Innovationsfähigkeit – insbesondere in der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette – bilden eine Grundlage, um zukünftig neue Optionen und Umsatzmöglichkeiten vor dem Hintergrund des Klimawandels zu erschließen. Als Hersteller von Saatgut haben wir heute schon Pflanzen mit erhöhter Resistenz gegenüber Wetterextremen im Portfolio. Dazu gehört der kurzwachsende Mais. Durch Züchtung konnten wir Saatgut-Hybride mit kürzeren Maispflanzen entwickeln, die bei Starkwind- oder Starkregenereignissen nicht so leicht umknicken oder brechen (das sogenannte „Root and Stalk Lodging“) wie Maispflanzen mit normaler Höhe. In den Vereinigten Staaten belaufen sich die Verluste durch abgeknickte („lodged“) Pflanzen je nach Schwere der Wetterereignisse auf 5 bis 25 % pro Jahr. Außerdem ermöglichen wir Landwirten mit unserer digitalen Landwirtschafts-Plattform FieldView™, besser und schneller auf extreme Wetterereignisse zu reagieren.
Chronische physische Treiber: Der Klimawandel bringt eine Vielzahl von Herausforderungen im Rahmen der sogenannten chronischen, physischen Klimarisiken besonders für die Landwirtschaft sowie die Gesundheit mit sich. In der Landwirtschaft stellen langfristige Auswirkungen wie Veränderungen im Wasserkreislauf (z. B. feuchtere oder trockenere Klimabedingungen, verzögerte Monsunzeiten), eine verstärkte Verbreitung von Krankheiten und Schadinsekten sowie temperaturbedingte Kopplungseffekte erhebliche Risiken für die Produktivität und damit für die Ernährungssicherheit dar. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, entwickeln wir Strategien, die Landwirte dabei unterstützen, ihre Resilienz zu stärken – durch fortschrittliche Klimamodellierungen, maßgeschneiderte agronomische Lösungen und Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen, die gleichzeitig eine gesunde Pflanzenkultivierung ermöglichen. Da es in der Landwirtschaft keine universelle Lösung gibt, bieten wir ein vielfältiges Portfolio an Optionen, das an die lokalen Gegebenheiten angepasst ist. Im Bereich Gesundheit kann der Klimawandel Risiken wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen infolge heißerer Sommer und häufiger auftretender Hitzewellen verstärken. Wir begegnen diesen neuen gesundheitlichen Herausforderungen mit innovativen Therapien und Präventionslösungen, um eine klimaresiliente Gesundheitsversorgung zu unterstützen.
Die Ergebnisse der Szenarioanalyse werden im Rahmen unseres ERM regelmäßig überprüft. Maßnahmen zur Mitigation werden in den jeweiligen Divisionen oder Enabling Functions festgelegt. Auf Grundlage unseres aktuellen Verständnisses hat unsere Szenarioanalyse keine Geschäftsaktivitäten identifiziert, die mit dem Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft unvereinbar wären. Im Jahr 2026 und darüber hinaus werden wir unsere Szenarienbeschreibung und -analyse standortspezifisch erweitern und verfeinern. Gleichzeitig vertiefen wir unsere Analysefähigkeiten und erweitern unsere Klimamodelle, z. B. um noch besser zu verstehen, wie sich verschiedene klimatische Zonen verändern. Damit wollen wir in der Lage sein, die Herausforderungen und Chancen für die Zukunft bestmöglich zu beschreiben, um kurz-, mittel- und langfristige Mitigationsmaßnahmen ableiten zu können.
1 Gesamtemissionen Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Treibhausgas-Emissionen. Umfasst direkte Treibhausgas-Emissionen (Scope 1) und indirekte Treibhausgas-Emissionen (Scope 2, marktbasiert) durch die Standorte von Bayer, deren jährlicher Energieverbrauch über 1,5 Terajoule liegt und/oder deren jährliche Wasserentnahme ≥ 50 Tm3 beträgt. Scope 3 beinhaltet alle im Greenhouse-Gas(GHG)-Protokoll definierten Scope-3-Kategorien.
2 Bei der Bilanzierung der Treibhausgase unterscheiden wir in Scope 1 (direkte Emissionen aus eigenen Quellen), Scope 2 (indirekte Emissionen aus dem Bezug von Energie) und Scope 3 (indirekte Emissionen aus der gesamten Wertschöpfungskette).
3 Umfasst direkte Emissionen (Scope 1) und indirekte Emissionen (Scope 2, marktbezogen) durch die Standorte von Bayer, deren jährlicher Energieverbrauch über 1,5 Terajoule liegt und/oder deren jährliche Wasserentnahme ≥ 50 Tm3 beträgt. Das Ziel schließt biogene, landbezogene Emissionen und den Abbau von Treibhausgasen aus Bioenergierohstoffen mit ein. Für die Berechnung der Scope-3-Treibhausgas-Emissionen im Basisjahr für das Netto-Null-Ziel werden alle Scope-3-Kategorien berücksichtigt.
4 Die Neutralisierung der verbleibenden Emissionen erfolgt nach den Standards der Science-Based-Targets-initiative (SBTi).